Vor 100 Jahren wurde in allen bayerischen Bistümern das Fest Patrona Bavariae gefeiert. König Ludwig III. hatte sich während des Ersten Weltkriegs an den damaligen Papst Benedikt XV. gewendet, um die Erlaubnis für dieses besondere Fest zu erhalten. 1916 kam die Genehmigung dafür aus Rom. Und 1917 wurde es erstmals in ganz Bayern begangen.

In der Zeit des Heiligen Korbinian

Als der heilige Korbinian um das Jahr 724 nach Freising kam, stand auf dem Burgberg bereits eine Marienkirche, erbaut wohl vom Herzog, geweiht dem Fest Maria Geburt (8. September). In ihr feierte Korbinian Gottesdienst, hier wurde er zunächst begraben. 739 wurde diese Marienkirche Kathedrale des neu gegründeten Bistums Freising. Sie ist die Keimzelle des heutigen Freisinger Doms und die am frühesten bezeugte Marienkirche in Bayern.

Maria wird Patronin zahlreicher Kirchen

Unzählige weitere Kirchen und Kapellen folgten. Allein im Erzbistum München und Freising sind es heute wohl über 400, die Maria zur Patronin haben. An vielen Wallfahrtsorten in ganz Bayern wird Maria um Fürsprache bei Gott in allen Nöten angerufen. Im Erzbistum haben etwa Ettal, Maria Thalheim oder Tuntenhausen eine bis ins Mittelalter zurückreichende Wallfahrtstradition. Das bayerische Herrscherhaus der Wittelsbacher hatte Anteil an der alteingewurzelten Marienverehrung. So war Kaiser Ludwig der Bayer (1314-1347) nicht nur Stifter von Ettal, er rief auch in seiner Sterbestunde Maria um ihren Beistand an. Die bayerischen Herzöge unterstützen Bau und Ausstattung zahlreicher Marienkirchen, und die Pilgerfahrt zu marianischen Gnadenbildern entwickelte sich zur Familientradition.

Kurfürst Maximilian I.

Im Zeitalter der Reformation wurde die Heiligen- und insbesondere die Marienverehrung ein Kennzeichen des Katholischen. Es war Herzog (seit 1623 Kurfürst) Maximilian l. (1597-1651), der in dieser Zeit den entscheidenden Schritt tat, Maria in spezieller Weise als Patronin seines Landes zu proklamieren. In tiefer persönlicher Frömmigkeit fühlte er sich ganz als Diener Mariens, die er als die eigentliche Regentin seines Landes betrachtete.

1610 ließ er eine Medaille prägen, die Maria als Schutzherrin über der Landeshauptstadt zeigt, begleitet von dem Gebetsruf »Sub tuum praesidium« (Unter deinen Schutz).

1616 - während sich die Konflikte zwischen den Konfessionen im Vorfeld des Dreißigjährigen Kriegs bedrohlich zuspitzten - wurde in einer Nische an der Fassade der Münchener Residenz eine überlebensgroße Bronzestatue aufgestellt. Sie zeigt die gekrönte Gottesmutter, auf der Mondsichel stehend, in der Linken das Szepter, im rechten Arm das Christuskind, das sich allen segnend zuwandte, die vom nahen SchwabingerTor her in die Stadt kamen. Ein Schild darüber trägt die Inschrift »Sub tuum praesidium confugimus, sub quo secure laetique degimus« (Unter deinen Schutz fliehen wir, unter dem wir sicher und froh leben). Die Bezeichnung zu Füßen der Madonna stammte vom Herzog selbst: »Patrona Boiariae«. Damit erklärte er Maria zur Schutzherrin seines Herzogtums; vielleicht meint die humanistische Namensform »Boiariae« sogar das weit darüber hinaus reichende alte bayerische Stammesgebiet. Unter der Figurennische brennt ein Ewiges Licht.

Auch der vom Herzog gestiftete barocke Hochaltar der Frauenkirche wurde 1620 der Patronin Bayerns geweiht - zum Dank für den Sieg des bayerischen Heeres in der Schlacht am Weißen Berg.

Schließlich ließ Maximilian 1637/38 auf dem Münchener Schrannenplatz (seit 1854: Marienplatz) die Mariensäule errichten, in Dankbarkeit für die Bewahrung der beiden Hauptstädte München und Landshut vor der Plünderung durch die Schweden. Der Kurfürst selbst sprach die Weiheformel an die »gütigste Herrin Bayerns und mächtigste Schützerin«. Die Mariensäule wurde Ort zahlreicher Andachten und Ziel von Prozessionen. Sie war symbolischer Mittelpunkt des Landes, von dem aus die Entfernung der Orte gemessen wurde. Nachahmung fand sie nicht nur im nahen Freising (errichtet 1674 durch Fürstbischof Albrecht Sigmund von Bayern), sondern zuvor schon in Wien (1645) und Prag (1650).

Kurz vor dem Ende der bayerischen Monarchie, in den Nöten des Ersten Weltkriegs, richtete König Ludwig III. (1913-1918) zusammen mit seiner Gemahlin Marie Therese an Papst Benedikt XV. die Bitten, »1. daß die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria als Patronin der Bayern durch den Apostolischen Stuhl erklärt werde, 2. daß ein besonderes Fest dieser Jungfrau Maria unter dem Titel Patrona Bavariae alljährlich im Marienmonat, am 14, Mai, in ganz Bayern gefeiert werden dürfe unter einem entsprechenden Ritus und mit einem besonderen Offizium“. Durch Dekret der Ritenkongregation genehmigte der Papst dies am 26. April 1916. Am 14. Mai 1916 wurde das Fest in München erstmals begangen, 1917 in allen bayerischen Diözesen. Gemäß Beschluss der Freisinger Bischofskonferenz von 1970 ist der Festtermin nun am 1. Mai und bildet so den Auftakt zum Marienmonat.

Die Mariensäule in München

An der Mariensäule wird jedes Jahr im Mai die große Stadtmaiandacht durchgeführt und im Oktober das Rosenkranzgebet der Münchener Stadtkirche gehalten.

Maria als Schutzfrau Bayerns wird auf der Mariensäule - in Anlehnung an die apokalyptische Frau der Bibel (Offb 12,1) - auf der Mondsichel stehend dargestellt; manchmal auch mit dem Kranz aus zwölf Sternen um ihr Haupt. Sie ist stets gekrönt, hält ein Szepter und auf ihrem Arm das segnende Jesuskind.

Die Marienverehrung ist natürlich nicht auf München begrenzt. In ganz Bayern gibt es überregional bekannte Marienwallfahrtsorte, wie zum Beispiel Altötting, aber auch viele kleinere, regional geschätzte Orte, an die Marienverehrer pilgern.

Hier finden Sie einen Downloadlink zum Manuskript des Textes "Die Heilige Maria" von Dr. Roland Götz (31 Seiten).
Zu diesem Thema hat Dr. Götz am 23. November 2015 beim Verein für Christliche Kunst einen Vortrag in der Reihe „Patrona Bavariae“ gehalten.

 

 

Weiterführende Literatur

Peter Pfister / Hans Ramisch (Hg.), Marienwallfahrten im Erzbistum München und Freising, Regensburg 1989 (2. Aufl.)